Podcastfolge #16 Ist Yoga politisch? Mit Meike Elisa Müller

Antonia Reinhard

Ist Yoga politisch?

In der heutigen Podcast Episode habe ich Meike Elisa Müller zu Besuch und wir sprechen über das Thema “Yoga ist politisch”. 


Meike praktiziert schon seit sie 14 Jahre alt ist Yoga. Ihre Mama nahm sie oft mit zu Kundalini Yoga, dessen spiritueller Ansatz Meike faszinierte und sie durch ihre Jugend hinweg begleitete.


Vor 6/7 Jahren reiste Meike nach Indien und bei einer Yogastunde am Abend vor ihrer Abreise traute sich Meike das erste Mal, einen Kopfstand zu machen. Diese Herausforderung geschafft zu haben, gab Meike Kraft für die Reise und sie fühlte, dass Yoga mehr ist, als nur Konzentration und Fokus. Daraus entstand auch das Bedürfnis, eine Yoga Ausbildung zu machen.


Momentan lässt sich Meike am Institut für Yoga und Gesundheit in Köln ausbilden, welches sich auf sehr vielfältiges Yoga spezialisiert. Von Ashtanga zu Kundalini über Vinyasa - dort lernt sie mehrere Stile kennen, um später auf die Menschen ganz individuell eingehen zu können und anzuwenden, was für diesen in dem Moment wichtig ist und gut tut. Auch Anatomie und Yoga Philosophie spielt eine große Rolle. Für Meike ist Yoga ein Gefühl von Zuhause, wenn sie das, was sie gelernt hat, weitergeben darf und sie sieht Yoga immer ganzheitlich, welches ihr auch an ihrem Interesse an Politik zugute kommt. Denn anstatt Yoga und Politik als getrennte Dinge zu betrachten, hat sie seit der Corona Krise entdeckt, dass sie beides sehr gut vereinen kann.


So war sie zum Beispiel schon als Kind eine sehr große Tier- und Umweltschützerin. Momentan arbeitet sie als Referentin für politische Bildung mit Jugendlichen, denn Meike möchte ihre Talente und Privilegien anderen Menschen zugute kommen lassen und die Welt ein Stückchen besser machen. Ihre Yogapraxis dient ihr auch dazu, eine Haltung einzunehmen und zu ihren Werten und Idealen zu stehen und sich aktiv dafür einzusetzen.

 

Denn Meike sagt, oft reduziert sich Yoga auf das “ich”. Natürlich geht es auch um den Wohlfühleffekt, dass man Körper, Seele und Geist in Einklang bringt und es ist auch gut, dass man zunächst bei sich selbst anfängt. Doch für sie ist dort nicht Schluss. Yoga geht darüber hinaus, denn man möchte diesen Einklang doch auch auf die Welt übertragen und sich für zB.Ungerechtigkeit einsetzen, den Klimawandel bekämpfen, sich gegen Rechtspopulismus aussprechen, feministisch aktiv sein etc. Es gibt so viele Nischen, wo man seinen Platz finden kann und versuchen sollte, dort etwas zu verbessern. Diese Philosophie aus dem Yoga hört nicht auf der Matte auf, sondern ist eine Lebenseinstellung, die man mit in den Alltag und in das politische Engagement bringen kann.


Denn Menschen wie Gandhi und Rosa Parks, die auch Yoga praktiziert haben, haben diese Yoga Philosophien im Leben auch verwirklicht und die Energie, die Yoga ihnen gegeben hat, genutzt, eine Stimme zu haben in der Welt und gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen. Es ist ein Privileg, laut Meike, dass man sich überhaupt entscheiden kann,  ob man für etwas kämpft oder nicht.



Und dennoch ist es Meike wichtig, dass sie als “weiße privilegierte Frau” nicht auf Probleme hinweist, die nicht ihre eigenen sind. Sie sagt man soll bei seinen eigenen Erfahrungen bleiben und das weitergeben. Man kann aber immer das eigene Verhalten reflektieren und eine Stimme haben.

 

Man geht nicht aus der Yogastunde heraus und ist erleuchtet, sondern es soll dazu führen, dass man quasi immer wieder neu entscheidet: was sage ich, was sage ich nicht, wo sende ich mein Kreuzchen, was kaufe ich ein (Thema Nachhaltigkeit), wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um, etc. Das sind private Sachen, die aber einen Einfluss auf die Politik haben, denn Politik beginnt im Alltag.


Und wie kann man nun den Yogaunterricht politisch gestalten?

Als Yogalehrerin ist es wichtig, dass man sich überlegt oder zunächst bewusst ist, dass Yoga eine angeeignete Praxis einer anderen Kultur ist und man nicht einfach Sachen “nachplappert”, zum Beispiel Sanskrit Begriffe ohne zu wissen, was diese eigentlich bedeuten. Und dann den Unterricht so inklusiv wie möglich gestalten: An welcher Stelle schließe ich eventuell bestimmte Menschen aus, durch meine Sprache oder andere Dinge? Wie kann ich Menschen unterschiedlicher Hautfarben oder mit verschiedenen Körpern oder Krankheiten integrieren?


Schließe ich eventuell Dinge aus, weil ich sie nicht kenne und das mir unangenehm ist? 

Es ist gut Sachen kritisch zu hinterfragen, sich Feedback einholen von den Leuten, die in die Yogaklasse kommen und auch Traumata im Blick haben, Triggerpunkte etc. und Strategien entwickeln, wie man vermeiden kann, in Fettnäpfchen zu treten.


Es gibt kein Handbuch für politisches Yoga, da es hauptsächlich eine innere Arbeit ist. Man kann natürlich Menschen inspirieren, doch jeder muss daran selbst arbeiten und sich zuhören und entscheiden, ob er aus der Komfortzone heraustreten möchte. Es gibt aber 3-4 Sachen, bzw. Fragen, die Meike uns mitgeben möchte, die sich jeder für die tägliche Reflektion selbst stellen kann:


  • Wie kann ich die Welt mit meinen Talenten und Privilegien mitfühlender und fairer machen?
  • Wie kann ich mehr Satwa in mein Leben bringen? Unterschiedliche Qualitäten - reifer Apfel, den ich selbst vom Bio Baum gepflückt habe. Reinheit/Wahrhaftigkeit/Aufrichtigkeit . 

           (was man kauft, was man sagt, was ich plane, wie kann das aufrichtig sein?).

  • Wofür brenne ich? Wofür schlägt mein Herz? 


Auf diese Fragen gibt es immer unterschiedliche Antworten, und alle können zu den verschiedensten Dingen beitragen, die (positive) Fußstapfen in der Welt hinterlassen. Dafür ist es jedoch wichtig, dass Yoga nicht beim “ich” aufhört, sondern nur der Anfang von etwas Größerem ist. 






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